Aufführung 2005

Aufführung der Theater-AG 2005

Montfort-Gymnasium Tettnang, 17.6.05: Theater-AG spielt "Der Widerschpenschtigen Zähmung"

- "Mit ihren eigenen Waffen schlag ich sie..."
- "Da hat der alte Shakespeare ja einen tollen Text zusammengeschrieben" (sagt die "moderne Frau" im Stück)

Vollbluttheater bot die Theater-AG des Montfort-Gymnasiums mit ihrer modernisierten Fassung von Shakespeares Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung". Ein perfektes Miteinander von Spiel und Sprache, Bühnenbild, Musik, Licht, Kostümen und Maske, das die Premierengäste begeistert hat und noch viele weitere Zuschauer anlocken sollte.


Text Christel Voith - Fotos Helmut Voith - Für weitere Informationen zu den Bildern, fahren Sie bitte mit der Maus darüber.

"Der Widerschpenschtigen Zähmung" stand auf dem Programmzettel - sollten Shakespeares Figuren diesmal Schwäbisch schwätzen? Nein, diese Spur war falsch. Die flotte deutsche übertragung ließ keinen Zweifel daran, dass wir die Zeit vier Jahrhunderte zurückdrehen mussten, und kam den Spielern doch so selbstverständlich und flüssig über die Lippen, als würden sie sich niemals anders ausdrücken.

Aber die Handlung! Ist es nicht in höchstem Maße unanständig, sich zu amüsieren, wenn auf der Bühne ein rechter Macho frau mit rauen Mitteln zwingt, ihm, der Krone der Schöpfung, den nötigen Respekt zu erweisen? Und noch dazu kundtut, dass er sie der stattlichen Mitgift wegen begehrt - eine lange Zeit von der Gesellschaft sanktionierte Methode, sich wirtschaftlich zu sanieren. Doch diese Klippe wurde elegant umschifft, denn die Bearbeitung von Heiko Postma und die "Weiterverformung" (so der Programmzettel) durch Markus Stein und Günter Erdmann setzen der Haupthandlung nicht nur die shakespearesche Rahmenhandlung mit dem betrunkenen Kesselflicker Sly entgegen, sondern als weitere Brechung die "moderne Frau" (Patricia Lay), die zuletzt der "gezähmten" Käthe und ihrer Schwester zuruft, dass sie gefälligst ihre Nase übers Kochen und Frisieren hinausstrecken und sich selbst verwirklichen sollen!

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Aber hat sich Katharina wirklich unterworfen? Hat sie nicht etwa das Spiel des Mannes durchschaut und ihren Spaß daran gefunden, mitzuspielen? Herrlich, wie Isabelle Schatz diese Deutung offen lässt, gerade wenn sie gegen Ende auf Geheiß ihres Gemahls mit funkelnden Augen den alten Vincentio als junges Mädchen anspricht. Sie ist von Anfang an eher eine unangepasste als eine wirklich unausstehliche Frau. Ob Lucentio, der nach ihrer hübschen Schwester Bianca schmachtet, wirklich besser dran sein wird? Regie und Akteure haben es geschafft, die Figuren so anzulegen, dass sie nicht einfach nur gut oder böse, schlau oder dümmlich sind, sondern dass jede für sich interessant bleibt.

Vor dem herrlichen Hintergrundprospekt einer italienischen Stadt, den die Schülerin Sitha Reis (10 a) eigenständig entworfen und weitgehend alleine gemalt hat, entfaltet sich ein lebhaftes Spiel, angefangen beim grölenden Suffkopf Sly (Helmut Merk), den eine spielfreudige Lady (Ina Heilig) im Schlaf aus Jux als Lord verkleiden lässt und für den sie eine Wandertruppe engagiert, die ihrerseits erst andere Shakespeare-Szenen probt, z.B. aus "Viel Lärm um nichts", bevor sie dem falschen "Lord" und seiner falschen "Madame" (köstlich aufgetakelt Matthias Buhl) die geschickt gekürzte Zähmungskomödie vorführt.

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In herrlichem Ensemblespiel agieren hier die wild/zahme Katharina (Isabelle Schatz), ihre charmante Schwester Bianca (Theresa Lan), ihr soignierter Vater (Jonas Hock) und Biancas bunter Freierschwarm mit Benedikt Bereuter als eitlem Hortensio alias Licio, Markus Buhl als glücklichem Lucentio alias Cambio, Alexander Venus als putzmunterem Tranio alias Lucentio, der mit "o sole mio" die Schöne und das Publikum betört, und Felix Köhler als buckligem Gremio und Vater Vincentio. Und wie vergnüglich spielt Oliver Weiß den Petruchio, der seine helle Freude am - erfolgreichen - Zähmungsspiel hat. Nicht vergessen seien Jessica Weber als Begleiterin der Lady, Thomas Varga als deren Begleiter und als falscher Vincentio, Elisa Bobisch als Petruchios widerborstige Haushälterin und Birgit Reisacher als eifrige Inspizientin der Wandertruppe. Für die gepflegte Live-Musik sorgen Jessica Weber und Bettina Arnegger, für die perfekte Ausleuchtung Matthias Reiser.

Kontakt

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