Aufführung 2013

Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft

Theater AG des Montfort-Gymnasiums bringt Schillers „Räuber“ in unsere Welt

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Schillers "Räuber" in moderner Fassung: Junge Frauen wollen gehört werden. Vorne Kai Spellmaier und Magdalena Dick, hinten von links Diana Hertnagel, Julika Schattmann (verdeckt), Claudia Buhl, Lavina Stauber, Theresa Dick, Jasmin Birkenmaier und Isabel P (Foto: Helmut Voith)

Von Christel Voith

Tettnang Worte, Worte, Worte! Gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Ausbeutung, gegen so vieles, was falsch läuft in dieser Welt. Doch was tun? Sind wir machtlos? Schiller ließ seine Räuber rebellieren, doch wie sähe der Kampf gegen die Ungerechtigkeit heute aus? Die Theater AG des Montfort-Gymnasiums hat Marlene Skalas Adaptation des Schiller-Dramas unter dem Titel „Räuber. Schiller für uns“ entdeckt und mit größtem Einsatz und Temperament umgesetzt. Am Montagabend um 19.30 Uhr ist in der Aula des MGTT Premiere. Antje Prospero, die Regie führt, hat ein Vorspiel davorgesetzt: Ein Professor hält vor Studenten eine Vorlesung. Doch die wollen nicht nur Worte, die wollen Taten, Engagement. Immer mehr folgen der Anführerin Charlotte Moor auf die Bühne, die das Mikro ergreift: „Wenn es so nicht funktioniert, dann funktioniert es eben anders – wir finden einen Weg“, rufen sie stolz.

Charlotte Moor? Ja, richtig gelesen: Aus Karl und seinem Bruder Franz („heißt die Kanaille...“) sind die Schwestern Charlotte und Franziska geworden, auch die ganze Räuberbande ist weiblich geworden: junge Frauen, die es satt haben, an den Rand gedrängt, übergangen zu werden, Frauen, die eine Aufgabe suchen, die Träume haben und sie verwirklichen wollen. Da sind die Zornigen dabei, die sogar zur Pistole greifen, und die Enttäuschten, sozial Eingestellten, die doch nichts erreichen können. Wie Mücken umschwärmen sie Charlotte, den Siegertyp, die Politstudentin, die das Leben genießt und der die Männer zufliegen. Doch sie hat dieses wilde Leben satt, will zurück ins bürgerliche Leben, zum Vater und zum soliden Freund. Das weiß Franziska, die ein Leben lang unter der bewunderten Schwester gelitten hat und Qualen der Eifersucht leidet, zu verhindern. Hart ist sie und aggressiv, jeden stößt sie zurück, jeder Gesichtsmuskel in Alisa Geßlers Gesicht verrät deren Aggression. Anders Magdalena Dicks Charlotte: Die Intrigen der Schwester treiben sie vollends in die Kriminalität, auch wenn sie im Grunde noch immer glaubt, die Welt verändern, verbessern zu können. Ihre Züge wechseln zwischen der eigentlichen Weichheit und der erzwungenen Härte.

Geschickt wechselndes Bühnenbild

Während daheim Franziska den wehrlosen Vater (Tobias Diemer) hintergeht und Charlottes aufrichtigen Freund Volker (Kai Spellmaier) an sich zu reißen sucht, geht es in Charlottes WG zur Sache. Die kämpferische Lucy Spiegel (Theresa Dick), die zornige Victoria Grimm (Jasmin Birkenmaier) und die draufgängerische Waltraud Schwarz (Isabel Pihlar) gewinnen mehr und mehr das Sagen, die bislang verkannte Computerspezialistin E.T. (Claudia Buhl) pervertiert ihre Hackerkünste, die kleine, impulsive Samantha (Julika Schattmann) will endlich ernst genommen werden, die desillusionierte Sozialarbeiterin Alice (Diana Hertnagel) läuft mit und Nell (Lavina Stauber), die brotlose Schauspielerin, zitiert aus dem Originaltext, der damit kunstvoll in die neuen „Räuber“ eingeflochten ist. Dank der engagierten Spieler gewinnt jede Figur ihr eigenes Profil, ihre eigene Identität, auch Polizisten (Marcel Carli und Johannes Grass), Kommissar (Tobias Rösch) und die mahnende Freundin Ruth (Jil Avanzini).

Im geschickt wechselnden Bühnenbild der Theater AG läuft unter Prosperos Regie ein spannendes Spiel ab. Ein Spiel mit dem Feuer, ein Spiel, das trotz aller Warnungen aus dem Ruder läuft – doch die Autorin hat die Vorlage nicht sklavisch übernommen, man darf auf die Änderungen und aufs Ende gespannt sein.
Premiere ist am Montag, 10. Juni, um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen am 12. und 14. Juni, jeweils 19.30 Uhr.

(Erschienen: 07.06.2013 19:25, Schwäbische Zeitung)

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